Im IZB arbeiten Start-ups an Medikamenten gegen das Sars-CoV-2-Virus, im Rahmen eines Konsortiums an einem Impfstoff und entwickelten neue Corona-Tests

Staatsministerin Kerstin Schreyer besuchte die Corona-Forscher im Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) bei München

Martinsried/München, 17. August 2020 – Die Corona-Pandemie hält uns alle in Atem. Mittlerweile sind weltweit fast 700.000 Infizierte verstorben. Rund um den Globus arbeiten Forscherinnen und Forscher an Schnelltests, Medikamenten und Impfstoffen, um die COVID-19-Erkrankung in den Griff zu bekommen. Auch in Planegg-Martinsried bei München, im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB), arbeiten sieben Biotech Start-ups an dem neuen SARS-CoV-2-Erreger. Immunic Therapeutics, Eisbach Bio und Origenis forschen an Medikamenten zur Behandlung des neuen Corona-Virus. GNA Biosolutions und Exosome Diagnostics brachten je einen neuen Corona-Test auf den Markt. Auch Ella Biotech erhöhte die Produktion von Komponenten, die in Corona-Tests enthalten sind. Die LEUKOCARE AG arbeitet mit einem italienischen Konsortium an einem Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus. Als Stimmkreisabgeordnete besuchte die Bayerische Staatsministerin Kerstin Schreyer, MdL, am 17. August 2020 diese sieben Biotech Start-ups, die ihre Forschungsergebnisse zu COVID-19 präsentierten und sprach mit Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer des IZB, über die Innovationskraft der Entrepreneure im IZB.

„Ich bin hocherfreut, mit welcher Kreativität die jungen Unternehmensgründer an die Problematik herantreten, die die ganze Welt bedroht. Sicherlich wird es bald sehr positive Meldungen in Bezug auf die Corona-Forschung aus dem IZB geben“, so die Landtagsabgeordnete Kerstin Schreyer. 

Gerade in Zeiten von Corona hat nun jeder die Bedeutung der Biotechnologie verstanden. Unser Gründer-zentrum trägt dazu bei, dass mutige Biotech-UnternehmerInnen neue Wege in der Medikamentenentwicklung gehen und dadurch Krankheiten wirksam bekämpft werden können“, so Dr. Peter Hanns Zobel, Geschäftsführer des IZB.

Das IZB feiert 2020 sein 25-jähriges Bestehen. Gerade in diesem Jahr wird deutlich, wie weitsichtig es von der Bayerischen Staatsregierung war, die Biotechnologie-Branche in München zu fördern und die Entwicklung des Standortes am Campus Martinsried voranzutreiben. Zum einen geht es im IZB darum, Medikamente für bestehende Leiden zu finden, für die es noch keine Heilung gibt. Zum anderen ist es unerlässlich, innovative, medizinische Lösungen für Krankheiten zu entwickeln, die in Zukunft noch auf uns zukommen werden. „Gerade die Vernetzung zwischen Lehre, Grundlagenforschung und Entrepreneurship bietet am Campus Martinsried die Chance diese Herausforderung bestens zu bestehen“, erläutert Dr. Zobel das erfolgreiche Konzept des Gründerzentrums.

1995 startete das IZB mit 1.000 m2 Labor- und Bürofläche und fünf  Biotech-Start-ups. Heute hat sich das IZB mit seinen Standorten in Planegg-Martinsried und Freising-Weihenstephan zu einem der führenden Biotechnologiezentren in Europa entwickelt. Gegenwärtig befinden sich auf einer Fläche von 26.000 m² über 50 Biotech-Unternehmen mit mehr als 600 Mitarbeitern. Im IZB wird an der Entwicklung von Medikamenten gegen schwerste Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, Alzheimer oder diversen Autoimmunerkrankungen, gearbeitet und das mit viel Erfolg.  „Allein seit 2015 können wir auf viele erfolgreiche Deals mit Pharmafirmen, Kooperationen oder Firmenverkäufen in einem Gesamtvolumen von 3,8 Milliarden Euro zurückblicken“, freut sich Dr. Zobel über den Erfolg der Start-ups.

In Zeiten der Corona-Krise sind es unter anderem Start-ups aus dem IZB, die an zukunftsweisenden Lösungen arbeiten. Folgende Unternehmer präsentierten am 17. August 2020  ihre Corona-Forschungen im IZB:

 

  1. GNA Biosolutions GmbH: Federico Buersgens, Geschäftsführer,  präsentierte den neu entwickelten Corona-Schnelltest.
    Aufgrund der beispiellosen Nachfrage und des Mangels an Diagnosewerkzeugen für Covid19 verlagerte GNA Biosolutions seinen Fokus Anfang 2020 auf die Entwicklung von SarsCov2-Molekularassays. Seitdem hat sich das Unternehmen auf die beschleunigte Entwicklung eines schnellen molekularen Batch-Testsystems namens GNA Neo konzentriert mit dem 8 Proben gleichzeitig außerhalb der herkömmlichen Laboreinstellungen getestet werden können, während die Patienten auf die Ergebnisse warten. Parallel dazu bereitet sich GNA im September dieses Jahres auf eine Feldstudie der GNA NEO am Münchner Flughafen vor.
  2.  Exosome Diagnostics:  Mikkel Noerholm, Vice President Product Development, präsentierte den neuen Corona-Test. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung von Liquid Biopsy Tests spezialisiert.
    Als die Welt von der Covid-19-Pandemie erfasst wurde, erkannte das Team von  Exosome Diagnostics, einer Marke von Bio-Techne, schnell, dass ihre klinischen Labors sowohl in Waltham (USA) (CLIA-zertifiziert) als auch im IZB (Martinsried, Deutschland) (ISO 15189 akkreditiert)  ideal zum Testen von Patientenproben auf das Vorhandensein des Virus geeignet sind. Da das SARS-CoV-2-Virus einem Exosom sehr ähnlich ist, können viele der bereits in den klinischen Labors von Exosome Diagnostics etablierten Prozesse zur Extraktion von Viruspartikeln aus Patientenproben und zum Nachweis von Virus-RNA verwendet werden.
  3. Immunic Therapeutics: Dr. Manfred Gröppel, COO, erläuterte, dass das Unternehmen erfolgreich an einem Medikament gegen COVID-19 arbeitet. Immunic Therapeutics führt ein klinisches Entwicklungsprogramm für ihren Wirkstoffkandidaten IMU-838 durch,  das in einer Phase-2-Studie gerade getestet wird.
    Immunics am weitesten fortgeschrittenes Entwicklungsprogramm, IMU-838, ist ein oral verfügbarer, selektiver Immunmodulator, der den intrazellulären Stoffwechsel von aktivierten Immunzellen zielgerichtet hemmt, indem er das Enzym DHODH blockiert. Gestützt durch positive präklinische Ergebnisse, die Aktivität gegen SARS-CoV-2 zeigen, ein attraktives pharmakokinetisches, Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil und bereits rund 650 getestete Personen, hat Immunic ein klinisches Entwicklungsprogramm für IMU-838 in COVID-19 gestartet. Die derzeit laufende Phase-2-Studie mit dem Titel CALVID-1 ist eine prospektive, multizentrische, randomisierte, plazebokontrollierte, doppelt verblindete klinische Studie in Patienten mit mittelschwerem COVID-19, die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von IMU-838 untersuchen soll. Die Studie erhielt die behördliche Genehmigung vom BfArM, von der U.S. FDA und von Zulassungsbehörden anderer europäischer Länder, die an der Studie beteiligt sind.
     
  4. Ella Biotech GmbH: Tim Gehrke, Senior Scientist R&D, erläuterte, dass sie die Produktion  von Bausteinen für Corona-Test extrem erhöhen mussten, um der stark wachsenden Nachfrage gerecht  zu werden.
    Die Ella Biotech GmbH ist ein zertifizierter Hersteller von DNS-Bausteinen zur Analyse von Krankheitserregern. Mit Beginn der Corona Pandemie im Januar 2020 hat sie ihre Produktionskapazitäten im Bereich der Diagnostik erhöht. Eine erfolgreiche, rasche und zweifelsfreie Testung auf den Sars-CoV-2-Erreger ist mittels der Polymerase-Kettenreaktion (engl. PCR), basierend auf synthetisch hergestellten kurzen DNS-Bausteinen sogenannten Oligonukleotiden, möglich. Die Produkte der Ella Biotech GmbH werden im Anschluss an zertifizierte Diagnostik Labore geliefert, wo deren Nachweis mittels qPCR auf das neue Corona-Virus durchgeführt wird.
     
  5. Eisbach Bio GmbH: Dr. Adrian Schomburg, Geschäftsführer, startete die Entwicklung eines neuartigen, spezifischen Wirkstoffes gegen SARS-CoV-2 Viren.
    Eisbach hat kleine Moleküle identifiziert, die auf neuartige, krankheitsrelevante Funktionen in SARS-CoV-2 abzielen. Mit unserer innovativen Plattform entwickeln wir Inhibitoren gegen zwei relevante und essentielle SARS-CoV-2-Proteine, für die wir weltweit bahnbrechendes Know-how besitzen. Da diese Proteine für die Replikation des viralen SARS-CoV-2-Genoms und zur Unterdrückung des Immunsystems des Patienten essentiell sind, stellen sie vielversprechende Wirkstofftargets dar.
  6. LEUKOCARE AG: Dr. Konstantin Petropoulos, Vice President Business Development,
    Marketing & Sales, erläuterte die Zusammenarbeit mit einem europäischen Konsortium zur
    Entwicklung eines Impfstoffes gegen COVID-19.
    Die LEUKOCARE AG hat im April 2020 mit ReiThera Srl aus Italien und Univercells SA aus Belgien ein pan-europäisches Konsortium gebildet, um einen adenoviralen, vektorbasierten Covid-19 Impfstoff zu entwickeln. Hierbei steuert ReiThera den Impfstoffkandidaten bei, Univercells wird für die Produktion verantwortlich sein, während LEUKOCARE eine flüssige Formulierung (Mischung aus dem Wirkstoff und stabilisierenden Hilfsstoffen) für den Impfstoff entwickelt. Der Impfstoff wird voraussichtlich im August 2020 die klinische Entwicklung starten und könnte bereits ab Q1 2021 als Impfstoff verfügbar sein.
     
  7. Origenis GmbH: Dr. Michael Thormann, Geschäftsführer, präsentierte den aktuellen Stand der
    Entwicklung eines Medikamentes gegen COVID-19.
    Als Origenis und Sirion 2018 entschieden, ihre jeweilige Expertise zu bündeln, um neuartige antivirale Therapeutika zu identifizieren, konnte sich kaum jemand vorstellen, von welcher immensen Wichtigkeit dies 2020 werden würde. Mit ihrer AI getrieben Plattform generierte Origenis ein Arsenal vielversprechender Substanzen, während Sirion die funktionelle Testplattform, ViraSense, zur Verfügung stellte, um deren antivirale Wirkung zu messen. Das durch das KMU-NetC teilfinanzierte Projekt VIRAstorm™ wurde zum Erfolg. Die selektive Inhibition eines speziellen Targets führte zu potenten Wirkstoffkandidaten, aktiv auch auf klinisch relevanten Stämmen von DNA- und sogar RNA-Viren einschließlich SARS-CoV-2. Die Potenz der neuen Wirkstoffkandidaten ist Remdesivir ebenbürtig, aber anders als dieses können sie sogar die Blut-Hirn-Schranke überwinden, um dem Virus auch dieses Rückzugsgebiet zu nehmen. Origenis stellt damit die Weichen für einzigartige Therapieoptionen.

Hintergrundinfos Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie (IZB) in Martinsried bei München

Die Fördergesellschaft IZB mbH, im Jahre 1995 gegründet, ist die Betreibergesellschaft der Innovations- und Gründerzentren für Biotechnologie in Planegg-Martinsried und Freising-Weihenstephan und hat sich zu einem führenden Biotechnologiezentrum entwickelt. Auf 26.000 m2 sind derzeit über 50 Biotechunternehmen mit über 600 Mitarbeitern angesiedelt. Hier wird an der Entwicklung von Medikamenten gegen schwerste Erkrankungen, wie etwa Krebs, Alzheimer und diversen Autoimmunerkrankungen gearbeitet. Im IZB Freising-Weihenstephan – 15 Minuten vom Flughafen entfernt – befassen sich Wissenschaftler mit Entwicklungen im Bereich Life Science. Ein wesentliches Kriterium für den Erfolg der IZBs ist die räumliche Nähe zur Spitzenforschung auf dem Campus Martinsried/Großhadern. Auch die neuen Infrastrukturmaßnahmen wie der Faculty Club G2B (Gateway to Biotech), die IZB Residence CAMPUS AT HOME, die Chemieschule Elhardt, die zwei Kindergärten Bio Kids und Bio Kids2 sowie die beiden Restaurants SEVEN AND MORE und Café Freshmaker sind Standortfaktoren, die von den Entrepreneuren sehr geschätzt werden. Erfolgreiche Unternehmen, die aus dem IZB hervorgegangen sind, sind zum Beispiel die Medigene AG, die Morphosys AG, die Micromet GmbH (heute Amgen AG), Octopharma GmbH und Corimmun (heute Janssen-Cilag). Mehr Infos unter www.izb-online.de

Ansprechpartnerin

Susanne Simon
Tel.: 089 - 55 279 48 17
simon@izb-online.de